100 Jahre Erster Weltkrieg - Geschichte bootsnah

100 Jahre Erster Weltkrieg - Geschichte bootsnahVor genau 100 Jahren hat der Erste Weltkrieg begonnen, den die Franzosen ‚la Grand Guerre‘ nennen, da sich die Frontlinie quer durch Frankreich gezogen hat. Von der Somme bis zum elsässischen Hartmannsweilerkopf markierten über vier Jahre Schützengräben, als sichtbares Zeichen der Stellungskriege, die starren Frontlinien

Von Pont-à Bar in den Ardennen aus lässt sich auf der Meuse ein Ort besuchen, der zum Symbol des sinnlosen Tötens geworden ist, wie kein anderer: Verdun.

 

Pont-à-Bar liegt am Kreuzungspunkt des Ardennen-Kanals, der nach 88 km eine Verbindung zum ‚Canal de l’Aisne à la Marne‘ herstellt. 1882 war der ‚Canal de l’Est‘ fertig gestellt worden. 1874, nach dem verlorenen Deutsch-Französischen Krieg, wurde damit begonnen, die Meuse zu kanalisieren, um entlang des von den Deutschen besetzten ‚Reichslandes Elsass-Lothringen‘ eine Wasserstraßenverbindung einzurichten, die die Meuse im Norden mit Belgien und im Süden mit den Wasserstraßen der Marne, und der Mosel und damit den industriell wichtigen Zentren in Nancy und Toul verbinden sollte. Von Anfang an fährt man also auf geschichtsträchtigem Wasser.

 

Nach wenigen Kilometern gelangt man schon nach Sedan, wo der französische Kaiser Napoléon III nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1871 gefangen genommen und auf Bismarcks Order ‚ab nach Kassel‘ ins Exil verbannt wurde.

 

Im Gegensatz zu den kriegerischen Auseinandersetzungen vermittelt der Flusslauf der kanalisierten Maas mit den umgebenden ländlichen Landstrichen ein äußerst fruchtbares Bild. Friedlich grasen Charolais-Rinder auf den saftigen Wiesen und liefern Kühe die Milch zum schmackhaften ‚Brie de Meaux‘. Gleich kommt man nach Stenay, wo in den Nähe zu Belgien das ‚Europäische Biermuseum‘ auf die zahlreichen süffigen hellen und dunklen Erzeugnisse lokaler Brauereien hinweist. Auf kleine Straßen gelangt man auf Rädern in das malerische Pays de Montmédy, wo sich auch eine der berühmten Zitadellen befindet.

 

Nach 130 Flusskilometern und knapp 20 Schleusen fährt man an den Anleger des Städtchens Verdun, wo sich ein ausgiebiger Halt anbietet. Da der Erste Weltkrieg im damaligen Deutschen Reich keinerlei Kriegshandlungen nach sich zog, ist der Besuch von Verdun mit seinen unterirdischen Zitadelle und dem nahe gelegenen Fort Douaumont mit der Gedenkstätte Ossuaire, wo sich 1984 Bundeskanzler Kohl und Präsident Mitterrand am Soldatenfriedhof die Hand zur Versöhnung reichten, eine authentische und beeindruckende Geschichtsstunde. In Verdun hat folgerichtig auch das ‚Internationale Zentrum für Frieden, Freiheit und Menschenrechte‘ seinen Sitz und widmet sich mit Wechselausstellungen diesem immer aktuellen Themenfeld.

 

In Verdun erwarten den Genießer wie zum Ausgleich, die echten und farbenprächtigen Dragées, die beim Süßwarenbetrieb Braquier seit 1783 hergestellt werden und deren Produktion man besichtigen kann. Ein Apotheker hatte schon um 1220 die Idee, Mandeln mit einer festen Zucker- oder Honigschicht aus heimischer Ernte zu umhüllen; diese Leckerei wird in Frankreich traditionell bei Taufen und Hochzeiten gereicht.

 

An der Côtes der Meuse gedeihen aber auch unübersehbar Weine, vor allem der fruchtige ‚Blanc de blancs‘ und der Rosé sind ideale Begleiter zu den Spezialitäten, die in den regionalorientierten Küchen der ‚Cuisineries Gourmandes‘ zubereitet werden.

 

Besonders bei Feinschmeckern beliebt sind die Fleischpasteten, die Entenstopfleber oder Spezialitäten rund um die Schnecken. Ein guter Ziegenkäse direkt von der ‚ferme‘ oder ein Brie aus der bedeutenden Käserei in Vigneulles runden das Geschmackserlebnis ab. Mehrere Produzenten haben sich wieder auf die traditionelle Trüffelzucht des ‚tuber mesentericum‘ spezialisiert, deren Geschichte sich im Trüffelmuseum in Boncourt-sur-Meuse verfolgen lässt. Lothringen insgesamt ist das Herzlande der Mirabelle, die als ‚tarte‘ und vor allem als feiner Schnaps genossen wird.

 

Hat man mehr als eine Woche Zeit, kann man von Pont-à-Bar auf dem ‚Canal des Ardennes à L’Aisne‘ in die Champagner- und Kathedralenstadt Reims fahren und dabei ein reiches kulturelles und historisches Erbe entdecken. Auf dem Rhein-Marne-Kanal gelangt man in die ehemalige Hauptstadt des Herzogtums Bar und der jetzigen Departementshauptstadt Bar-le-Duc, einer Stadt der Kunst und Geschichte. Sie ist das Zentrum eleganter Renaissance mit außergewöhnlicher Architektur, Fassaden aus dem 16. Jahrhundert sowie der Kirche St. Etienne. Umgeben ist sie von Lustschlössern wie in Commercy dem Schloss des lothringischen Herzogs Stanislas. In seiner Sommerresidenz wurde um 1750 ein berühmtes Gebäck erfunden. Die Madeleines von Commercy haben mit ihrer typischen Schiffchenform Eingang in Marcel Proust berühmten Roman ‚Auf der Suche nach der verlorenen Zeit‘ gefunden. Proust hatte den ersten Teil des Romans bereits Ende 1913 und damit am Vorabend des Ersten Weltkriegs veröffentlicht.

 

Schon von weitem sieht man auf der Fahrt Richtung St. Mihiel das amerikanische Kriegerdenkmal, ein eindrucksvoller und monumentaler Rundbau auf der ‚Butte de Montsec‘. Um St. Mihiel hatten die deutschen Truppen eine Stellung eingenommen, die weit in das französische Hinterland reichte und dessen Überreste heute noch zu sehen sind. Die Schlacht um den ‚Bluthügel‘ wurde erst mit dem Eingreifen der amerikanischen Truppen 1918 entschieden.

 

Mahnend liegen die Soldatenfriedhöfe, während die Meuse / Maas unaufhörlich und unbeirrt ihrem natürlichen Weg folgt, um sich bei Troussey friedlich mit den Wassern des Rheins im Rhein-Marne-Kanal zu vermischen.