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Rund 30 km südlich von Venedig liegt an der Spitze der Lagune Chioggia, einer der bedeutendsten Fischereihäfen Italiens, mit dem Liegehafen von Locaboat. Ein heiteres, buntes Örtchen mit Palästen aus dem 16. und 17. Jh., Kanälen, Barken in fröhlichen Farben, die sich im Wasser spiegeln.
Dieses „kleine Venedig“, wie Chioggia gerne genannt wird, kann auf eine wechselhafte Geschichte mit illustren Persönlichkeiten zurückblicken: Giovanni Cabotto (Jean Cabot), der Kanada am Johannistag 1497 entdeckte. Nicolo De Conti, der Arabien und den Indischen Ozean bereiste, die Molukken erreichte und von dort die Gewürznelken mitbrachte. Dann die später erblindete Rosalba Carriera, deren wunderbare Pastellzeichnungen die Mauern der Kunstakademie (Galleria dell’Academia) zieren. Sie sah in ihrer Krankheit die „totale Blendung der Vernunft“. Weiterhin Giuseppe Marchetti, einer der elf Rothemden von Garibaldi...
Beim Flanieren über den Corso del Popolo wirkt der mächtige Backsteinturm der Santa Maria überwältigend. Auch innen ist die Kathedrale Santa Maria Assunta voller Schätze, wie zum Beispiel die Madonna mit einem gewissen, ernüchternden Lächeln, oder die strahlende Darstellung des Martyriums Felice und Fortunato eines unbekannten Malers.
Ein alter steinerner Löwe blickt im Hafen traurig lächelnd in Richtung der Serenissima...

Nachts, wenn der Dunst über die Lagune fällt, wirkt Venedig ganz anders. Der dumpfe Ruf der Nebelhörner durchdringt die Finsternis, Mauern werden zu Schatten. Dunkle Gassen und Kais scheinen den Geschichten von Dickens entsprungen und die Kanäle erinnern an Bilder von Turner. Schritte klingen gedämpft, Begegnungen mit den Geistern der Nacht werden glaubhaft. Das fahle Licht der Laternen enthüllt den traurigen Anblick des gespenstigen Alteisens großer Schaluppen, die entlang der Kais im Wasser liegen. Ein Passant eilt vorbei, gebeugt als trüge er die Last der Welt. Langsam durchdringt das Licht die vernebelten Gässchen, dunkel ragen die Pfähle aus dem Wasser wie aus einem Totenreich. Einsam schlägt die Bronzeglocke auf dem Rathausdach die Stunden. Ein verliebtes Pärchen nutzt die Stille der Stadt und die Komplizenschaft der Nacht, um sich auf der Bank gegenüber der Kirche zu küssen, wohl abgeschirmt von einer, in eine Sackgasse führende Brücke aus der Renaissance. Aber Morgen beginnt wieder ein neuer Tag…

 

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Text & Fotos: © JF Macaigne
Fortsetzung der Reise