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Allein die Überquerung der Lagune bis zur Serenissima wird zu einem Reiseerlebnis für sich. Fast wie in einem Traum gleitet das Boot sanft zwischen Himmel und Wasser auf den wie Seide glänzenden Fluten dahin, ein unvergesslicher Augenblick. Herbstnebel bedecken die Wasserfläche und schränken die Sicht ein. Wie Trugbilder tauchen erst nach und nach die Umrisse der Hindernisse auf, nehmen wie bei einer Überblendung nur langsam Gestalt an. Aus einem weißlichen Nichts erscheinen die langen Pfähle, bevölkert von den Möwen, die über ihren Mahlzeiten wachen. Von Zeit zu Zeit ist eine der unbeschreiblichen Pfahlhütten aus Brettern und Wellblech auszumachen, vor denen Wäsche und Netze vergeblich versuchen zu trocken.

Beim Einbruch der Dunkelheit sind Wasser und Himmel kaum noch zu unterscheiden. Alles färbt sich in jenem unglaublichen Blaugrün, wie es nur auf der Lagune existiert. Diese eigenartige Atmosphäre wird im November vom Nebel noch unterstrichen. Ein selten schönes Gefühl, wenn die Sonne kaum zu sehen ist, still wie auf einer Wolke dahinzugleiten.
Auf der Lagune gibt richtige „Wasserstraßen“. Sie zu verlassen bedeutet unweigerlich Festsetzen auf einer Sandbank. Doch Holzpfähle zeigen das Fahrwasser an und machen die Orientierung einfach.
Es gibt drei Arten der Kennzeichnung: Einzeln stehende Pfähle, die „Meda“, dann die „Briccola“, bestehend aus drei, von einem Eisenring gehaltenen Pfosten. Bei der „Dama“ handelt es sich um eine Variante der „Briccola“ mit einem vierten, etwa 70 cm höheren Pfahl in der Mitte.
„Briccole“ (1) begrenzen das Fahrwasser der Lagune, „Dame“ markieren den Eingang oder Ausgang eines Kanals. Eigentlich ganz einfach! Die einzige Schwierigkeit besteht darin, die Pfähle von weitem auseinander zu halten. Mit guten Augen oder einem Fernglas geht das schon in Ordnung.


Mit dem Schiff erreicht man Venedig stets hinter dem zum Himmel ragenden Kampanile von San Giorgio Maggiore. Man kreuzt an der Kuppelkirche mit der klassizistischen Fassade vorbei, deren Kai ein riesiges Viereck bildet. Auf der hohen Kuppel wacht ein bronzener Erzengel, einarmig seit ein Blitz Arm und Lanze zerstörte.
Die Versuchung ist groß, gleich die ganze Stadt zu umfahren. Dabei gibt es manch beeindruckende Begegnung, wie zum Beispiel ein Kreuzfahrtschiff hinter der Insel du Vignole.
Nacht bricht herein und in Venedig gehen die Lichter an, wie eh und je wacht die Kirche Santa Maria della Salute gleich einem rundem, über die Dächer ragenden Wachposten, während der Kampanile im Dunkel verschwindet. Nur in wenigen Fenstern des Dogenpalastes ist noch Licht zu sehen, auch der Hafen wird still. Also bis morgen.


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(1) Auf Italienisch wird der Plural mit einem e gebildet. Z.B. : eine briccola, mehrere briccole

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Text & Fotos: © JF Macaigne
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