| Irland,
das ist auch eine lange Geschichte.
Die bewegte Vergangenheit der Insel wurde geprägt von Draufgängern,
Romantikern und geistigen Führern, in einem Wort, sie ist keltisch.
Unterwegs hatten wir Gelegenheit zwei der geschichtsträchtigsten
Orte zu besichtigen, Clonmacnoise und Boyle.
Clonmacnoise wirkt auf den
Besucher wie ein Wald aus lauter keltischen Kreuzen, eines beeindruckender
als andere. Sie reihen sich um einige graue, vom Rad der Zeit gezeichnete
Bauwerke. Von einem kleinen, grasbewachsenen Hügel überblickt
man die Schleife des Shannon.
Der Ort war im 6. oder 7. Jahrhundert eines der wichtigsten Klöster
Irlands und wurde 547 vom Sohn eines Zimmermanns aus Ulster, dem Heiligen
Ciaran, gegründet. Die Könige von Connacht und Tara - Hauptstadt
des Meath und Sitz des obersten Königtums - machten Clonamacnois
zu ihrer Grabstätte. Von dieser wechselhaften Vergangenheit zeugen
noch ein runder, hoher und mächtiger Turm, sowie einige Ruinen von
Kapellen in denen in mondlosen Nächten die Mönche spuken. Ein
kleines, hervorragend gestaltetes Museum zeigt das Klosterleben und gibt
Erklärungen über die damalige Zeit.
Boyle zeigt ein ganz anderes
Bild. Die mächtige Familie der MacDermots de Moylurg gründet
1148 ein Zisterzienser-Kloster, das ab dem Jahr 1228 direkt der französischen
Abtei von Clairvaux unterstellt wurde. Sieben Jahre später überfielen
englische Truppen den Orden und übernahmen das Kloster. Die Plünderer
ließen den im Kreuzgang versammelten Mönchen nicht mal ihre
Kutten. Einige Kriege und Jahre später wurde 1584 Abt Glaisne O’Cuillenain
in Dublin hingerichtet, weil er dem Papst in Rom die Treuepflicht verweigerte.
Damit endete das Ordensleben in Boyle. Im Jahre 1592 dienten die Gebäude
als Schloss und Garnison, was die Belagerung 1645 während der Kriege
von Cromwell erklärt.
Heute sind noch die wunderbare, teils romanische, teils gotische Kirche
und Kapitelle mit erstaunlichen Skulpturen erhalten, weiterhin die Ruinen
der Wachräume und eine einfache Wehrmauer. Die Bauweise entspricht
dem Stil der Zisterzienser. Wer die Abtei von Fontenay in Frankreich kennt,
findet die typische Ausrichtung der Gebäude des Ordens vom Heiligen
Bernard wieder. Diese Sakralbauten verströmen ein erhabenes Gefühl
von Macht und Unvergänglichkeit. Ähnlich mag man auch empfinden,
wenn in einer sternenklaren Nacht in einer Kapelle gesungen wird.
In Ballinamore, ein Dörfchen,
das sich entlang einer Hauptstraße zieht, endet unsere Reise. Dort
befindet sich der andere Liegehafen von Locaboat in Irland, wo uns Bernard,
Victor und die hübsche Estelle mit einem Lächeln begrüßen.
Wir haben die stillen Feuchtauen, die Fabelwesen Korrigans, die Wälder
und die ländlichen Golfplätze, wo man lässig die Bälle
schlagen kann, mit Bedauern verlassen. Klar, dass wir uns geschworen haben,
wiederzukommen. Mit etwas Glück treffen wir uns vielleicht....
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