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OSTERN AUF DEM HAUSBOOT IN BURGUND

Sonne, Strand und Meer? Nicht schlecht, aber es geht auch anders. Aktiver. Naturnaher. Ein Hausbooturlaub an Ostern auf der Saône muß sich nicht verstecken. Und hält frisch. Mit Fahrradtouren, Grillabend, Picknick im Freien, Übernachten inmitten Natur, viel Grün und jeder Menge Tierbeobachtungen. Sogar der Osterhase schaut vorbei. Fazit : Wenig Aufwand, reichlich Erlebnisse und bleibende Erinnerungen.

Fr, 14.04.17 KARFREITAG
SCEY SUR SAÔNE – PORT SUR SAÔNE / 9 km / 2 Schleusen

Am Freitag übernehmen wird das Hausboot, eine liebliche Pénichette® 1020FB mit idealer Aufteilung für 2 Erwachsene und 2 Kinder, jeder hat seinen eigenen Bereich mit Dusche / WC. Wir melden uns im Hafenbüro bei Muriel an, erledigen ein paar Formalitäten und dürfen danach unser Boot auch gleich beziehen. Nachdem wir Proviant und Gepäck vom PKW auf das Boot geschafft und uns ein wenig eingerichtet haben, erfolgt auch schon die Einweisung. Und dann heißt es: ablegen.

Pénichette am Hafen in Scey-sur-Saône

Das große idyllische Hafenbecken bietet ausreichend Platz für erste Manöver, wir fahren mit Hilfe der Gewässerkarte nach Port-sur-Saône, um die erste Nacht dort am Anleger zu verbringen, Tipp von Muriel.

Nachdem wir dort problemlos und kostenfrei angelegt und gerade alle Fahrräder vom Boot gehievt haben, um noch eine kleine Fahrradtour zu unternehmen, bemerken wir erst, dass die kleineren Crewmitglieder mit Eindrücken und frischer Luft bereits komplett angefüllt sind. Fahrradtour wird verschoben, Räder wieder an Deck, sportliche Betätigung damit abgeschlossen. Ist ja alles kein Problem, denn das Allerschönste: beim Hausbooturlauben sind die Weg kurz und es gibt keinen Programmpunkt, der nicht einfach wieder umgestoßen werden könnte. Also stattdessen: gemütlich machen, ein paar Spiele, eine warme Mahlzeit und ab in die Kojen – ein schöner erster Tag geht zu Ende, trotz frischer Temperaturen draußen mit reichlich Wärme an Bord.

Sa, 15.04.2017 OSTERSAMSTAG
PORT SUR SAÔNE – TRAVES / 18 km / 4 Schleusen + 1 Tunnel

Der nächste Tag beginnt mit dem obligatorischen Baguette und Croissant-holen beim Bäcker, nur etwa 100 Meter entfernt von unserem beweglichen Zuhause entfernt. Gestärkt sind nun alle bereit für die vertagte Fahrradtour. Über die Brücke hinüber und auf die andere Seite des Kanals. Prima, was hier alles geboten wird! Ein kleiner Tierpark, ein Trainings-Parcours mit Spielplatz, ein Skatepark. Die Kinder finden sogleich einen gleichaltrigen Gleichgesinnten, der ebenfalls mit dem Fahrrad seine Runden dreht. Schnell wird daraus eine competition Deutschland - Frankreich. Wir füttern das Damwild, beobachten die offizielle Fütterung des Lama, die Jungs kicken Bälle, klettern auf den Pipes des Skateparks herum. Herrlich gemeinsam Zeit in der Sonne zu verbringen, mit der Gewissheit, dass sich Behausung und Snacks in nächster Nähe befinden – bei diesem leckeren Gedanken zieht es uns auch schon zurück auf‘s Boot.

Keine 10 Minuten später haben wir abgelegt und bewegen uns in Richtung Scey zurück, an Anglern vorbei, eine Drohne schwirrt über unsere Köpfe, beliebter Freizeitspaßt der Jugendlichen hier. Wir steuern direkt zum Anleger am Rande der Ortschaft Scey-sur-Saône. Von hier aus lässt sich der Carrefour Supermarkt (der sogar eine eigene Facebook Seite besitzt, Staunen über die Modernität) fußläufig prima erreichen, wir füllen unseren Vorrat auf. Ein totes Wildschwein liegt im Wasser, es scheint den starken Strömungen zum Opfer gefallen zu sein, wir sehen es von der Brücke aus, als wir eigentlich einen Panoramablick auf unser Boot erhaschen wollen. An unserem privaten Picknicktisch decken wir auf und speisen zu Mittag, unter freiem Himmel schmeckt es einfach immer doppelt so gut.

Picknick in Scey-sur-Saône

Nach einer kleinen Siesta steuert unser 7-jähriger Hauptkapitän uns sicher, und als würde er selten noch anderes machen, an Scey vorbei und nun in südliche Richtung. Für den Abend haben wir uns den Hafen von Traves zum Übernachten ausgeguckt.

Und nun kommt eines der spannendsten Augenblicke auf den Kapitän zu, der nämlich, gleich nach der Schleuse, das Boot durch den Tunnel St. Albin navigiert. Einmal im Tunnel ist das Stoppen nicht mehr erlaubt, doch ist man nicht alleine : die nächsten Meter wird man per Überwachungskamera beäugt. Der zweite Kapitän übernimmt hier das Steuer, da das ganze schon etwas mehr als ein Kinderspiel ist, man leicht mit den Wänden links und rechts in Berührung kommen kann. Doch es macht allen Spaß und wir finden nach ein paar anschließenden Kurven aus der gesamten Konstruktion heraus. Früher mussten hier die Pferde abspannen und die Bootsleute sich anhand von Ketten mitsamt ihrer Ware manuell ans andere Ende des Tunnels ziehen.

Tunnel St. Albin

Dem Tunnel folgt die wunderbare, ansehnliche und moderne Schleuse 8 von Rupt, mit freundlichem Schleusenwärter und Verkauf von Honig, Terrinen und erlesenen Getränken aus der Region. Hühner gackern, ein Esel schaut neugierig über den Zaun, kurzer Plausch über das heutige Etappenziel, ein kleiner Warnhinweis, dass in Richtung Traves ein Baumstamm quer im Wasser liegt.

Kein zu kleines Exemplar, wie wir etwas später mit eigenen Augen sehen. Nachdem wir den Stamm jedoch sicher und ohne Berührung umschifft haben, sind wir auch schon in Traves. Beziehungsweise knapp daran vorbei, denn die Einfahrt in den Hafen ist nicht gerade prominent gegengezeichnet. Eine Bojenkette soll zeigen, an welcher Stelle die Durchfahrt ratsam ist, nämlich bei grün (klar). Rot wäre auch keine gute Wahl, da der Grund sich sichtbar hier nur wenige Zentimeter unter der Wasseroberfläche befindet. Um die Ecke herum, nach links und eine wunderbare Überraschung tut sich vor uns auf. Elegant und trotzdem idyllisch überblicken kleine neu erbaute Chalets das Hafenbecken von Traves, es darf geangelt und gebadet werden (das Baden sparen wir persönlich uns für ein anderes Mal auf, doch in der Vorwoche wurde es tatsächlich schon eifrig betrieben - Anfang April!) .

unbewachte Badestelle / Anglerplatz in Traves

Es gibt eine Minigolf-Anlage und ein kleines Restaurant. Wir finden eine herrliche Stelle ganz für uns allein und inmitten der Natur (nicht am Hauptsteg). Dass uns dennoch im Laufe des Abends 8 € abgeknüpft werden irritiert uns erst leicht, da wir weder Strom noch Wasser in Anspruch nehmen wollen oder brauchen, doch es ist eben in der Übernachtung inklusive, egal welche Stelle man sich zum Anlegen sucht, der Pächter der Anlage dreht zuverlässig seine Runde.

Nun wird der mitgebrachte Einweggrill angeschmissen, und während es um unser Boot immer dunkler wird, schwärzen sich auch die Würstchen und fangen unverschämt gut an zu duften. Ein kühles Bierchen schmeckt dazu, das Licht vom Boot zaubert eine herrlich gemütliche Stimmung, wir sitzen bis spät in den Abend am Steg. Und loben diese mückenfreie Jahreszeit in den höchsten Tönen, etwas übermütig, denn nur wenig später werden wir eines besseren belehrt. Während unserer Grillparty am Steg verlagerte sich die Mückenparty auf unser Boot. Als wir in die Kojen fallen wollen, sitzen ein paar dicke Exemplare wartend an Decke und Gardinen. Nächstes Mal also: Tür geschlossen halten, um sich eine blutrünstige Mückenjagd am Ende des Abends zu ersparen.

Grillabend am Steg in Traves

So, 16.04.2017 OSTERSONNTAG
TRAVES – SCEY SUR SAÔNE / 8 km / 2 Schleusen + 1 Tunnel

Heute: das heiß erwartete Highlight der Kinder - es ist Ostersonntag, einer der wohl beliebtesten Tage des Jahres. Während der zweite Kapitän die Kinder sportlich zum örtlichen Bäcker lockt, bleiben mir, der Osterhäsin, ca. 15 Minuten Zeit zum Eier-verstecken. Ich hüpfe von Bord, die ersten Schokoeier landen im Gras und am Steg, weitere auf dem Boot, die letzten im Boot, immer kreativer werden die Verstecke. Ein kleiner Junge spaziert pfeifend mit seiner Angel vorbei. Ah, gut, erster Test bestanden, keines der Eier scheint direkt ins Auge zu fallen. Doch kurz darauf begeisterte Rufe und Getöse, ein Fahrrad wird schwungvoll ins Gras geschmissen. Der zweite Kapitän und ich genießen das intensive Schauspiel. Nachdem auch das letzte Ei gefunden wurde, machen wir los und legen noch einen weiteren Schwenk, diesmal in Richtung Rupt-sur-Saône, ein.

Irgendwo im Nirgendwo -

An einer schönen Stelle machen wir halt und das Boot mit Hammer und Pflock fest. Den perfekten Treidelweg müssen wir dringend noch einmal für eine ausgiebige Fahrradtour nutzen. Wir touren zu dem nahe gelegenen Rapsfeld, essen an Bord zu Mittag, legen eine Ruhepause ein, selten hat man die gesamte Mannschaft so einhellig ruhig und zufrieden erlebt. Kein Geschrei, keine Kämpfe, nicht mal kleine Unstimmigkeiten, stattdessen große Ausgeglichenheit und Zufriedenheit – und jeder packt ganz ohne Aufforderung mit an, beim Anlegen, Ablegen, Tisch decken, Essen machen, abräumen – wow!

An der Schleuse Rupt No. 8 wird nun noch etwas Honig für Daheimgebliebene eingekauft, dann geht es zurück durch den Tunnel nach Scey-sur-Saône, in unser Heimathafenbecken. Die Kinder raten uns zu einem Aperitif an Deck (ah, sie haben Wichtiges dazugelernt in diesem Urlaub in Frankreich) , während sie selbst sich mit der Besatzung des Nachbarbootes beim Pferdefüttern, Fußballspielen und Ball-aus-dem-Wasser-retten vergnügen.

Mo, 17.04.2017 OSTERMONTAG
SCEY SUR SAÔNE – Rückfahrt

Am nächsten Morgen heißt es Betten abziehen, Gepäck von Bord bringen, Geschirrspülen, Müll entsorgen und einmal durchfegen – fertig. Mit der Inklusiv-Pauschale haben wir unsere Nebenkosten bereits komplett beglichen und treten pünktlich um 9 Uhr die Heimfahrt an. Bis zum nächsten Jahr, man sieht sich, au revoir!

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