Mecklenburg
JF Macaigne

       
 

Montag
Am nächsten Morgen bin ich, weiß der Teufel warum, schon vor der Dämmerung auf den Beinen. Nicht mal die Sonne ist völlig aufgegangen. Ich ziehe einen Pullover über und schnappe mir den Fotoapparat. Gerade rechtzeitig, um bei den ersten Sonnenstrahlen einen wunderschönen Regenbogen über dem Wald einzufangen. Da der Wind bläst, verziehen sich wie Wolken. Das Lüftchen lässt die kleine Locaboat-Flagge lustig gegen den Metallmast klappern.
Noch eine letzte Fotoserie, um diese schöne Stelle vor einem blauen Himmel festzuhalten. Danach lichten wir den Anker mit rasselnden Ketten, die von einem schottischen Schlossgeist stammen könnten.

Gerade als wir losfahren wollen, bettelt ein weiblicher Schwan mit dem Nachwuchs im Gefolge (die Schlingel sind ziemlich groß für ihr Alter) um etwas Futter. Wir geben ihnen die Krümel vom Frühstück, ziemlich große allerdings. „Gott vergelts“ antwortet die Dame in der Schwanensprache, wie wir, wie alle Freizeitkapitäne, natürlich beherrschen.

Langsam fahren wir Richtung Mirow mit einem schönen Rokokko-Schloss. Dort ist Gelegenheit das Brauchwasser zu entsorgen. Doch noch sind wir nicht angekommen. Ein Wachmann mit Fernglas ist auf seinem Posten. Er weist auf Hindernisse hin und verrät interessante Stellen. Wir lassen auch den Zotzensee hinter uns. Weiter geht es auf dem Müritz-Havel-Kanal, der alle bisher durchquerten Seen miteinander verbindet. Am Rand hebt der Wind die Seerosen wie die Röcke eines Mädchens. Bei der Annäherung von Mirow reihen sich Pfahlbauten am Ufer. Einige sind richtige kleine Häuser mit allem Komfort, einschließlich Satelittenfernsehen. Angler machen sich auf einem Balkon zu schaffen und wir fahren langsamer, um sie nicht zu belästigen.
In Mirow stehen hübsche Häuser, umgeben von kurz geschorenem Rasen, versteckt zwischen Bäumen. Wir finden den Liegehafen gleich neben dem Schloss und legen dort mit der Banzkow an.

- Besuchen Sie Mirow -

Der Vormittag ist schon fast vorüber, trotzdem machen wir uns voller Hoffnung auf die Suche nach einem Supermarkt. Die gute Nachricht, es gibt einen, die schlechte, er liegt am anderen Ende der Stadt. Nun, das gibt uns Gelegenheit zur Besichtigung. Wir marschieren an einem russischen Militärfriedhof vorbei. Ach ja, das ist noch nicht so lange her.... Mit dem Caddie (unabdingbar, wenn man mit einer Penichette unterwegs ist) im Schlepptau laufen wir durch das etwas verschlafene Städtchen mit Fachwerkhäusern und versteckten Hinterhöfchen...
Es ist bereits 14 Uhr vorbei bis wir mit einem Riesenhunger wieder zum Hausboot zurückkommen... Nach dem Essen, ein Blick auf die Uhr und zu Himmel. Der Zustand des Gewässers lässt uns zögern. Wenn wir jetzt losfahren müssen wir den Müritz-See bei aufgekommenen Gegenwind befahren, vermutlich mit etwas Wellengang. Dann würden wir unsere nächste Etappe, Röbel, erst bei Dunkelheit erreichen.Der Müritz-See ist nicht einfach irgendein See, sondern der größte Deutschlands (115 qkm). Demzufolge mit Vorsicht zu befahren. Die Entscheidung ist schnell gefällt: Wir verbringen den restlichen Nachmittag an Ort und Stelle und fahren erst früh am nächsten Morgen weiter.
Hinzu kommt die Aussicht etwas zu faulenzen und so sind wir mit unserer Situation sehr zufrieden. Eine kleine Besichtigung des Schlosses und großen Kapelle daneben, sowie des sehr romantischen Inselchens, mit dem ach so bezeichnenden Namen Liebesinsel. Es hat sich im Moment allerdings kein flirtendes Paar hierher verirrt. Danach stöbern wir eine Zeit in den Schätzen in einem Laden mit Bootsausrüstungen in der Marina. Zum guten Schluss kaufe ich sogar eine französische Flagge. Neben der Locaboat-Fahne angebracht, weiß dann jeder woher wir kommen. Dieses kleine Stück Stoff erweist sich als äußerst erfolgreich, um bei den Schleusen und diversen Anlegestellen Bekanntschaften zu schließen. Stets beginnend mit dem Ausruf : „Ach ja Paris !!!“

 
   
Text & Fotos :JF Macaigne