Mecklenburg
JF Macaigne

       
 

Dienstag
Sieben Uhr morgens holt mich Kaffeeduft aus dem Bett. Salem war schon vor mir auf und hat den wohlduftenden Wecktrank zubereitet. Der Blick nach draußen verrät, nicht zu viel Wind und keine allzu vielen Wellen. Für uns heißt das, jetzt oder nie. Die warme Dusche bringt mich vollends auf den Boden der Tatsachen zurück, wir müssen aufbrechen.
Auf der anderen Seite des Sees kreuzen wir eine andere Penichette vor den Pfahlbauten, die wir gestern bei der Ankunft gesehen haben. Ein kleines Kanalbecken und wir befinden uns vor einer neuen Schleuse mit der Funktionsweise einer Guillotine! Ein geniales System. Warum sich damit plagen, Schleusentore zu öffnen und gegen die Strömung zu arbeiten? Es ist doch viel einfacher das Ganze zu heben und wieder runter zu lassen, wenn die Schiffe durchgefahren sind. Trotzdem rinnt mir ein leichtes Frösteln über den Rücken, als wir in die Schleuse einfahren.
Ein letzter See (Kleine Müritz) vor dem großen Abenteuer. Der Wind bläst ein bisschen, aber noch nicht allzu stark. Zwei riesige Vögel überfliegen uns. Ich kann nicht erkennen welche, Schwäne, Gänse oder Kraniche? Auf jeden Fall sind es keine Reiher, die selten paarweise fliegen und ihren Hals im Flug einziehen.

Genau in diesem Moment stören wir einen am Ufer auf. Er ist sehr groß, sehr grau und sehr schön.



D
ie Kanalufer sind gut ausgebaut, Steine sichern die Ufer und verhindern, dass sie von den Wellen zu schnell fahrender Boote beschädigt werden. Und die gibt es leider! Man muss jedoch zugeben, dass dem Naturschutz an diesen Wasserwegen viel Bedeutung beigemessen wird. Was uns ausgesprochen freut. Ein Kompliment für die Verwaltungen, die sich darum kümmern. Sie arbeiten gut und mit Erfolg.


Wir umfahren einige Fischernetze (so weit weg wie möglich) und schon sind wir im Müritz-See angelangt! Links von uns ziehen zwei Männer in einer Barke mühsam einen großen Fang aus dem Wasser, vermutlich ein Hecht. Das macht uns ziemlich neidisch!
   

Der Wind bläst nun heftiger, aber noch gut auszuhalten. Die 1020 ist ein hervorragendes Schiff und hält das Kap. Ab und zu schlägt der Bug des Hausbootes aufs Wasser, aber letztlich nicht unangenehm. Ich stehe auf dem Oberdeck, das Ruder in der Hand und durchfahre mit einem echten Glücksgefühl eine Welle nach der anderen. Tiefe Wolken ziehen über mir dahin, ab und zu geben sie etwas blauen Himmel frei. Wir kreuzen die 15 m lange Penichette „Berlin“. Sie gleitet ruhig in Richtung der Seen wo wir herkommen. Ich werfe einen Blick durch das Bullauge in den Aufenthaltsraum, unten lesen alle oder plaudern, ohne sich um den Zustand des „Meeres“ zu kümmern. Wir sind doch recht weit weg vom Land und man kann nicht viel am Ufer erkennen.

Wir kreuzen noch einige Segelboote und eine gute Stunde später laufen mit mit dem Ruder backbord in den Kanal von Röbel ein.

Ganz hinten zeichnen sich der Glockenturm der Marienkirche und eine alte Windmühle vor den Wolken ab. Wir machen an einem schwimmenden Ponton fest, den man nach einem feuchtfröhlichen Abend allerdings nicht benutzen sollte, und gehen auf Entdeckungstour.

- Besuchen Sie Röbel -

Eine ordentliche Pflastergasse führt zur Kirche die wir zuvor gesehen haben. Sie stammt aus dem 13. Jh. und ist ganz aus roten Ziegelsteinen erbaut. Der Glockenturm kann bestiegen werden. Das nutzen wir gerne, um einen Blick in die Runde zu werfen. Eine hölzerne Wendeltreppe führt nach oben und um die Glocken herum bis zu vier Balkonen. Die Anstrengung hat sich gelohnt. Man sieht den Müritz-See, den Zufahrtskanal und ganz weit hinten das andere Ufer.

   
Diese sportliche Aktion hat uns Appetit gemacht. Zurück auf dem Boot essen wir zum ersten Mal seit Beginn der Reise auf dem Oberdeck. Der Himmel zeigt sich von seiner schönsten Seite, sehr zu unserer Freude....

Nach dem Kaffee lege ich noch eine kleine Fototour ein, um das hübsche Etappenziel mit den reetgedeckten Bootshäusern auf den Film zu bannen. Danach geht es weiter Richtung Waren, auf der anderen Seite des Sees.
Jetzt macht es richtig Spaß! Die Segler um uns herum sind mit dieser steifen, erfrischenden Brise voll dabei. Wir ziehen unsere Spur durch die blauen Wasser des Müritz-Sees. Am Ufer entdecken wir ein Schloss mit Türmen. Neugierig wie wir sind, nähern wir uns. Es ist ein Hotel! (In Klink, falls sich jemand dafür interessiert...).


Punkt 18 Uhr laufen wir im Hafen von Waren ein, wo wir eine ruhige Nacht verdienen, obwohl wir kaum zwei Stunden für die Seeüberquerung, einschließlich des Abstechers um das „Schloss“ zu begutachten, gebraucht haben.

 
   
Text & Fotos :JF Macaigne