Mecklenburg
JF Macaigne

       
 

Mittwoch
Waren ist ein munteres, kleines Städtchen, ganz auf den Tourismus eingestellt. Gruppen von Besuchern bevölkern die gepflasterten und blumengeschmückten Gassen, machen ihren Einkaufsbummel oder ziehen in die zahlreichen Gaststätten. Die Einwohner sind ausgesprochen freundlich (wie übrigens überall hier im Norden) und man muss gestehen, der Aufenthalt hier ist sehr erholsam und angenehm. Vom Hafen aus versetzt ein Dampfschiff, das aussieht wie von Jules Vernes erfunden, dreimal täglich rund hundert Touristen in die Stimmung der Schiffsausflüge um das Jahr 1900. Die Straßen des Städtchens werden von buntbemalten Häuserfassaden gesäumt, ebenso von kleinen, gemütlichen Oasen wie der Biergarten „Kneipe Amboss“ in der Lange Straße, eine der beiden Hauptstraßen von Waren. Man muss unbedingt die Kirche Sankt Georg aus dem Jahr 1273 besichtigen, ebenso das alte Feuerwehrhaus. Man sollte durch die Altstadtgassen flanieren, das Rathaus bewundern, die ehemalige Freimaurerloge auf dem alten Marktplatz ausfindig machen, die heute eine Handelsschule ist. Sehenswert ist auch die Löwenapotheke und schließlich muss man sein letztes Bier zu Akkordeonklängen in einer der Hafenkneipen trinken.

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Auf Kölpinsee

Einmal heißt es jedoch Abschied nehmen, im Vorbeifahren grüßen wir nochmals das Dampfschiff, das seine Tour auf der Binnenmüritz beendet. Danach fahren wir in den Reek-Kanal und stören dabei hunderte von schwarzen und weißen Wasserhühnern, die in den Stechginsterbüschen nisten.
Die Wolken scheinen bei unserer Abfahrt so tief zu hängen, dass nicht mal der Eiffelturm zwischen Himmel und Wasser Platz fände. Doch wir ziehen unerschütterlich weiter unseres Weges und kreuzen ein Kanu mit einem Segel wie eine Dschunke. Sehr seltsam.

Über dem Kölpinsee zeigen uns die gemeinen Wolken etwas blauen Himmel, um ihn gleich wieder zu verbergen, sobald wir im Fleesensee angekommen sind. Einige Schwanenfamilien ziehen respektvoll vorbei und schließlich halten wir nicht weit vom Glockenturm von Malchow im Malchower See. Daran haben wir gut getan.
Denn eine Herde Wildgänse tummelt sich schnatternd in der Nähe des Schiffes. Plötzlich werden sie lauter, die Damen schnattern noch heftiger, die Flügel schlagen..... und rund dreißig Wildgänse starten über der Wasserfläche zu ihrem Zug gen Süden, steigen etwas an und erreichen schließlich eine Höhe von etwa 20 m. Sie fliegen mit aufgeregten Schreien genau über uns hinweg. Die anderen bleiben da, gruppieren sich in einer Reihe, schnattern und dann...... nichts. Einige Minuten später fangen sie von vorne an, ohne Ergebnis.

     
Wir beschließen unseren Stadtbummel zu verschieben. Ein seltenes Schauspiel wie dieses wollen wir auf keinen Fall versäumen. Auch das gehört auch zu den Reizen einer Penichette-Tour. Uns werden noch drei, vier Abflüge in Abständen von 20 Minuten geboten bevor der See endgültig verlassen wird. Eine solche intensive Freude an einfachen Dingen habe ich bisher nur ein einziges Mal verspürt, als ich mit wilden Delfinen schwamm. Aber das ist eine ganz andere Geschichte...

Es ist schon fast dunkel, aber wir marschieren trotzdem im Schein des gelben Lampen in der Hauptstraße Richtung Stadtmitte. Ein Foto des unvergesslichen Fernadel ziert die Menükarte des Restaurants Don Camillo, das könnte was sein für uns. Doch wir beobachten etwas weiter entfernt das Manöver einer beweglichen Brücke, die wir morgen passieren. Der Verkehr steht still, das Brückenteil dreht sich, rastet am Kai ein und gibt die Passage für eine Yacht frei. Ich nutze die Gelegenheit, um mich nach einem erhöht liegenden Hotel zu erkunden, dessen Terrasse direkt auf den See weist.
Das „Rosendomizil“ wirkt luxuriös und elegant. Sicher auch ein geeigneter Ort, um sich zu erholen. Eines ist klar, Malchow by night, ist nicht gerade prickelnd wie St Tropez, folglich sehr ruhig.....

Die Brücke schließt sich wieder und wir erblicken ein winziges Schiff. Ein Modell, ferngesteuert, von einem Mann in seinem Motorkahn. Die Mini-Yacht ist erleuchtet und es spielt Musik. Wir sehen dem seltsamen Schiffchen staunend hinterher wie es in der Nach verschwindet. War ich zu voreilig mit meinem Urteil über Malchow by night…
In den Pflastergassen hat man das Gefühl, dass die Autos mit platten Reifen fahren. Wir kehren zum Schiff zurück und gehen dabei den Radfahrern aus dem Wege, die auf dem Bürgersteig fahren (das ist allerdings auch besser so...). Beim Abendessen sind natürlich die Wildgänse das Gesprächsthema!

 
   
Text & Fotos :JF Macaigne