Mecklenburg
JF Macaigne

       
 

Donnerstag (was, schon !)
Am nächsten Tag passieren wir die besagte Brücke und zahlen unseren Obolus in eine Socke, die uns mit einer Angelroute zugereicht wird. Danach geht es zum Plauer See, ein anderes großes Gewässer dieser Reise. An den Ufern reihen sich wieder Pfahlbauten, unten das Bootshaus, darüber der Wohnraum. Einige sehen wirklich so aus, als ob man darin recht angenehme Angelferien verbringen könnte. Die reetgedeckten Dächer wirken sehr romantisch, den Parabolantennen auf dem First nach zu urteilen, wird jedoch nicht auf einen gewissen Komfort verzichtet. Noch eine Brücke und schon sind im Plauer See. Am Rande des Gewässers bereiten sich Jugendliche eines Ferienlagers darauf vor, den Kanal mit Kanus zu befahren. Das scheint hierzulande wirklich Mode zu sein. Der Plauer See hat neben dem Müritz-See die größte Wasserfläche und wir durchqueren ihn seiner gesamten Länge. Doch schon nach einer Stunde haben wir ihn hinter uns und fahren in den Kanal Müritz - Elde ein, Adieu unsere Seen ! Wasserhühner retten sich schwimmend wie Weltmeister in die Binsen.

Le temps se couvre. Il ne pleut pas encore, mais au loin, les nuages sont noirs et arrivent vers nous. Nous décidons de faire halte à Plau, ce qui permettra d’évacuer les eaux usées, de visiter la ville, et – aussi – de déjeuner. La marina se situe tout de suite avant un pont tout bleu d’un nouveau genre, que n’aurait pas renié Eiffel : le tablier se soulève à la hauteur désirée pour laisser passer les embarcations. Une petite guérite est installée dessus, qui me fait penser aux passages à niveaux des trains électriques de mon enfance. A droite du pont, une pêcherie propose à la vente des poissons fumés. C’est la spécialité par ici. Nous nous promettons d’y faire un tour.

- Besuchen Sie Plau -

Gerade als wir in den Hafen einfahren beginnt es zu regnen. Ein heftiger Schauer und wir warten deshalb geduldig die gute Viertelstunde ab, bis sich das Gewitter verzieht und wir die Nase herausstrecken können. Der Hafenmeister bereitet uns einen richtigen VIP-Empfang und erklärt (in englisch) alle Sehenswürdigkeiten und wie man dahin kommt, etc.... Ein echtes Vergnügen unter solchen Bedingungen zu reisen.
Unser erster Weg führt selbstverständlich zum Fischstand, den wir halb aufkaufen. Die geräucherten Fische riechen sehr gut und scheinen lecker zu sein.... Was auch stimmt!
Aale, Heilbutt, Hechte und andere uns unbekannte Fische verschwinden in der Einkaufstasche.
Die Atmosphäre ist hier recht ungewöhnlich, Fischfilets trocknen neben grünen Kähnen und alten Holzpontons. Im Boden eingelassene, offene Klappen erlauben einen Blick in die geheimnisvollen Fischbehälter.
Wir entfernen uns von diesem etwas verloren wirkenden Ort und beschließen in dem kleinen Restaurant gleich neben der Brücke zu essen. Inzwischen zeigt sich erneut eine schüchterne Sonne. Das wollen wir nutzen und wir beeilen uns die Besichtigung laut den Empfehlungen des Hafenmeisters fortzusetzen. Hinter Blättern versteckt, erinnert ein großer, runder Turm an eine Burg aus dem 15. Jh. Vergnügt laufen wir durch die nassen Pflastergassen mit alten Fachwerkhäusern.
Bei der weiteren Reise fahren wir unter dem Brückenaufzug hindurch. Zwar müssen wir lange warten, aber die Passage ist recht originell. Auf der anderen Seite der Stadt, wieder eine Schleuse und ein Kanal. Die Ufer mit den Haselnuss-Sträuchern sind nicht besonders aufregend, die Zeit vergeht beim steten Geräusch der Schraube. Wir nutzen die Gelegenheit für ein Mini-Konzert aus der Stereoanlage im Aufenthaltsraum. Auf dem Programm, Santana, Gotan Project und Wagner. Wenn das keine Vielseitigkeit ist?
Da taucht eine Schleuse auf (1)! Kein Schleusenwärter in Sicht. Das wird wohl die erste der automatischen Schleusen sein, auf die mich Torsten vor der Abfahrt hingewiesen hat. Tatsächlich befindet sich am Ufer ein langer, blauer Metallpfosten in Griffnähe, der darauf wartet von uns bedient zu werden. Wir machen an einer Halteleine fest und bewegen den mit einer Kugel endenden Hebel im Pfosten. Sofort setzt sich oben ein Blinklicht in Gang. Auf einem Schild über einer rot-grünen Ampel wird eine Information angezeigt, dann noch eine. Leider verstehe ich eben so wenig deutsch wie die anderen auf dem Schiff. Wir warten ab, schon nach einigen Minuten öffnen sich die Schleusentore und wir können einfahren. In der Schleusenkammer befinden sich zwei gleichartige Pfosten, einer davon ist rot. Den wollen wir lieber nicht berühren, so setzen wir nochmals den blauen in Gang. Es blinkt weiter, aber nichts passiert. Wir warten weiter. Nach einigen Minuten kommen wir allerdings zu dem Schluss, dass wir etwas falsch gemacht haben und bewegen den roten Hebel.
Da jedoch immer noch nichts passiert, fragen wir uns bereits, ob wir nicht die Nacht über hier eingesperrt bleiben. Da kommt ein Mann aus dem kleinen Backsteinhaus, von dem wir dachten es sei unbewohnt. Wir haben ihn sichtlich aus dem Schlaf geholt. Doch er erklärt uns mehr recht als schlecht, aber lächelnd, dass der rote Hebel für Notfälle gedacht ist. Er beendet den Notruf und bewegt erneut den blauen Hebel. Wie von Zauberhand beginnt sich der Wasserspiegel in der Schleusenkammer zu senken.
Der Rest erfolgt ohne unsere Mitwirkung. Sobald das Wasser das richtige Niveau erreicht, öffnen sich die Schleusentore und wir können ausfahren. Das System funktioniert perfekt, aber wir waren zu ungeduldig.

Nach der Ausfahrt erinnert der Wasserweg an den Burgund-Kanal, Wiesen, Wäldchen und eine spiegelglatte Wasserfläche. Auch der Himmel wird blauer und blauer. Ist das schon wieder Frankreich?
Nix da! Unvermittelt erreichen wir in einem geheimnisvollen, tiefen Wald. Man spürt fast die Waldgeister, die Zwerge, all die Märchen- und Sagengestalten, bereit plötzlich aus dem dunklen Unterholz hervor zu kommen. Wir versuchen kein Geräusch mehr zu machen, nur die Bugwelle könnte uns verraten. Leise, wie Indianer auf Kriegspfad, gleiten wir voran...
Nach einer Biegung erscheint ein Ponton. Ein Campingplatz mitten im Wald. Wir entscheiden den Ort zu erkunden und vielleicht anzuhalten. Breit lächelnd begrüßt uns der Platzwart mit einem tiefen „Bonjour“! Das ist Sven, der meine kleine Fahne erkannt hat. Er kennt einige Worte in französisch und spricht etwas englisch, aber die Sprache der Freundschaft ist international. Sein herzlicher Empfang gibt den Ausschlag, wir bleiben, und seine Freundlichkeit macht den Abschied am nächsten Morgen schwer. Sven hat seinen kleinen Campingplatz unter hohen, grünen Tannen eingerichtet. Außer einem großzügig spendenden Wasserhahn gibt es auch Duschen und ein kleinen Lebensmittelladen mit Trinkhalle (2). An den Wochenenden macht er ein großes Feuer, dann sitzen alle drum herum, reden, singen und lachen bis spät in die Nacht.

Wir vertreten uns etwas die Beine im Wald. Die Anzahl der Pilze pro Quadratmeter ist beeindruckend. Zwar viele schöne, aber giftige Knollenblätterpilze, doch auch ein Steinpilz von beachtlicher Größe. Ein echter Rekord. Die Dunkelheit bricht herein und ich kann keine Pilze mehr erkennen. Der Steinpilz verströmt jedoch seinen Duft so lange in Kombüse bis er zu einem Omelett verarbeitet wird.... Wie man sich gut vorstellen kann, wurde es noch ein langer Abend mit Geschichten, die man sich normalerweise nur am Kaminfeuer ausdenken kann. Auch die Räucherfische waren vorzüglich.

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1) Schleuse von Barkow
2) Wasserwander-Rastplatz in Kuppentin (03 87 32/22 706)

 
   
Text & Fotos :JF Macaigne