Das Hausboot und die Entdeckungen: Chalon-sur-Saône

Ein Heimathafen auf Zeit in Saint-Léger-sur-Dheune im südlichen Burgund
– «chez Locaboat»

 

Chalon-sur-Saône erkunden

Aus Interesse an der Stadt Chalon-sur-Saône, von der es heißt, sie wäre lebhaft und schön und ein Eldorado für Hausbooturlauber, und weil ein Teil der Crew in die Bahn in Richtung Freiburg einsteigen muss, fahren wir mit dem Auto nach Chalon.

Die halbstündige Fahrt führt uns durch wilde Weinhänge und kleine träumende Dörfer und als wir Chalon näherkommen wird uns sogleich klar – der abreisenden Mitreisenden umso mehr – das gleich das städtische Leben und Treiben wieder beginnt. Wir wachen auf, wie aus einem Traum. So fernab fühlte man sich auf seiner ruhigen Hausbootbasis, der Pénichette Evolution in Saint-Léger-sur-Dheune.

 

Wäre mehr Zeit da, weniger Fokus auf Texten geplant, der Reisegrund ein Urlaub, eine Ferienreise, dann würden wir jetzt Chalon-sur-Saône nicht mit dem Auto über graue Straßen, sondern über den blau-grünen Wasserweg per Pénichette erreichen… Gemütlich schaukelnd auf den Wellen und wohl am Ponton de Manon haltmachend, direkt in der Altstadt – beide Teile über die Brücke erreichbar.

Und von dort aus würde uns der Weg zu den Sehenswürdigkeiten und Highlights der 45.000 Einwohner-Stadt Chalon-sur-Saône – die wahrnehmbar die ideale Größe hat, um die historischen Gemäuer mit Leben, Fröhlichkeit, Freundlichkeit und Verbindlichkeit zu füllen. Die Straßen sind gefüllt mit jungen und vitalen Menschen.

Offenheit ist einer der ersten Eindrücke, die wir hier fühlen und vergnügt in uns aufnehmen. Auf dem Markt mit regionalen Produkten werden Einheimische, genau wie wir als offenkundige Touristen, in lockere Gespräche verwickelt, angelächelt, freundlich, ganz ohne Scheu. Und als ich später zurückkomme, um hier mein Mittagessen zu kaufen, um damit im Schatten zu picknicken, zeigt es sich so:

Mein gewähltes Essen ist zwar klar zum Mitnehmen gedacht, jedoch nicht zum Sofortverzehr, es ist kalt und eine Gabel ist nicht zu haben. Jedoch kein Problem! „Pas de souci, Madame! Ma femme…“ Die Frau ist im Laden, gleich um die Ecke, tätig und sie wird mir das Essen aufwärmen und mir eine Gabel geben. Einfach um die Ecke. Was für mich ein bisschen abenteuerlich klingt, stellt sich als ganz einfach heraus. Das Maison Moreau, traiteur mit saveurs authentiques, hat gleich nebenan seine Homebase. Der Marktstand am Mittwoch, Freitag, Sonntag ist zusätzliches Geschäft. Sie und ich, wir plaudern ein bisschen. Ich bekomme alles vo ihr, was ich benötige plus Freundlichkeit und Lächeln, dazu einen Tipp, wo ich picknicken kann.

 

Moment… habe ich gerade Plaudern gesagt? Ja, tatsächlich. Die Stadt Chalon-sur-Saône, schon die Menschen am Liegehafen in Saint-Léger-sur-Dheune und in Santenay, machen mich redefreudig. Und ich packe mehr Französisch auf den Tisch, als ich mir zugetraut hätte. Ich werde verstanden und bei jedem Gespräch mutiger. Ich probiere schon gar kein Englisch mehr aus. Es macht richtig Spaß!

Noch zu zweit, beim Rundgang, der schließlich am Bahnhof von Chalon-sur-Saone mit einem Abschied endete, hatte ich bereits das Fotomuseum, das Museum Denon, das Hotel de Ville und die Straßen in der Altstadt wahrgenommen und einen groben Überblick erlangt. Nach meinem Mittagspicknick lasse ich mich durch die Straßen treiben. Mit der Haltung, mich von der Stadt überraschen zu lassen.

 

Mein Weg lenkt mich durch schöne alte Gassen, entlang von beeindruckenden Gebäuden und besonderen Dächern wie ferngesteuert immer wieder an den Fluß Saône. Grün und Blau, das ist es, was man an einem so heißen Tag sucht. Die Stadt bietet eher wenig Schatten. Die Bäume an der Promenade sind auf der verkehrten Seite „angebracht“. Und so flüchte ich ins kühle Museum der Fotografie. Gratis.
Nicephore Niepce, so heißt er, der Erfinder der Fotografie. Ihm also verdanken wir das Festhalten von Momenten und Eindrücken. Er würde sicher darüber staunen, wie sich seine Idee im Laufe der Jahre entwickelt hat. Der Einblick in sein Tun, die erste Fotoaufnahme einer Landschaft – der Blick aus seinem Arbeitszimmer in Saint-Loup-des-Varennes – all das ist interessant. Ich stelle fest: BildArt gab es schon sehr früh. Momente, die sich auf Instagram teilen ließen auch. In Chalon-sur-Saône hat die Fotografie mit Monsieur Niepce’s erstem Bild von 1826 ihren Anfang genommen.

 

Chalon-sur-Saône hat viele bildschöne Ecken und während ich von Schatten zu Schatten eile, nicht, ohne den Blick dabei offen zu halten und über vieles zu staunen, sammle ich Eindrücke zum Mitnehmen aufs Hausboot im Liegehafen.

Fazit Chalon-sur-Saône:
Das alles war herrlich, doch langsam zieht es mich auf die Pénichette mit ihrer Ausstattung und dem Komfort zurück. Ein Kühlschrank mit kühlen Getränken; etwas kochen oder das auf dem Markt erstandene Essen erwärmen; saubere Dusche und WC; ein Plätzchen auf dem Wasser; eine Pause bei Musik; ein Fahrrad für die Fortbewegung in der Stadt: All das hätte mir das Hausboot in Chalon-sur-Saône gewährt.
Schon im Hausboot-Kleinformat, z.B. Pénichette Classique, ist alles im Urlaub dabei – und man damit autark und individuell unterwegs.

 

Nun ist der Weg zurück zum Boot für mich länger, 22 Kilometer, um genau zu sein. Als ich am Abend den Liegehafen Saint-Léger-sur-Dheune erreiche, macht sich Zufriedenheit breit. Es tut gut, so eine unabhängige Basis zu haben – ob fahrend und Orte wechselnd oder im Hafen liegend. Hier kennt man sich aus, hier ist alles, was man braucht. Und die beste Feststellung ist wohl: man braucht gar nicht viel.
Gerade die Klarheit, die Übersichtlichkeit auf dem Boot sorgen für Wohlbehagen.

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